“Lumina” ist das erste Fotobuch der portugiesischen Fotografin Joana Marçal Carriço. Sie hat ein bemerkenswertes Auge für’s Detail bei ihren Live-Fotos der angesagtesten Heavy Metal Bands – von der kleinsten Bühne bis zu den größten Veranstaltungsorten. Mit uns hat die Konzertfotografin Joana über ihre Arbeit in der Konzertfotografie gesprochen.

Ein paar Worte an unsere Leser, die dich vielleicht noch nicht kennen – wer bist du, seit wann fotografierst du und wie bist du zur Fotografie gekommen?

Hi, ich bin Joana Marçal Carriço, geboren in Lissabon, Portugal. Meine Leidenschaft für die Fotografie besteht schon seit meiner Kindheit. Ich mochte es schon immer, Menschen zu fotografieren, Porträts zu machen und zu versuchen, Ausdrücke einzufangen. Ich erinnere mich, wie ich mit analogen Kameras herumlief und voller Begeisterung zum Entwickeln der Fotos in den Laden ging. In die Welt der Konzertfotografie bin ich etwa 2011 durch das SFTD Online-Radio hier in Lissabon eingestiegen, das aus einer Gruppe von Freunden besteht, die sich in ihrer Freizeit der Promo und Veröffentlichung von Events widmen.

Welche Themen und Motive faszinieren dich und was war vielleicht der ungewöhnlichste Auftrag, den du jemals angenommen oder umgesetzt hast?

Die Konzertfotografie, ohne Zweifel!!! Vor allem im Heavy Metal, um die Energie des Publikums und der Band einzufangen. Konzerte im Heavy Metal sind immer etwas “aggressiver”, es gibt viel Dynamik und ich denke, das ist es, was man aufs Bild bringen möchte. Ich habe keine anderen Aufträge gemacht, außer ein paar Promofotos von Bands, Konzerten und dem Fotografieren meiner Katzen 🙂

Septicflesh concert photo by Joana Marcal Carrico
Septicflesh – concert photo by Joana Marcal Carrico

Wie lange hat es gedauert, bis du deinen persönlichen Stil und deine Technik gefunden hast?

Aus meiner Sicht bin ich auch heute noch dabei, meinen persönlichen Stil und meine Technik zu entwickeln. Da man sich in seiner Arbeit immer weiterentwickeln will, ist der Stil, der vor zwei Jahren war, nicht der, den ich heutzutage habe. Das Gelernte ändert sich, und die Dinge entwickeln sich heutzutage sehr schnell weiter. Ich kann nicht sagen, auf einen bestimmten Stil festgelegt zu sein, allerdings kann ich feststellen, dass das Erstellen von Porträts, seit Beginn meiner fotografischen Tätigkeit bis heute, ohne Zweifel eine meiner Vorlieben und eine große Faszination bleibt.

Wie sehr konnten dir Zeitschriften, Bücher oder Tutorials von anderen Fotografen dabei behilflich sein?

Sie helfen auch heute noch… Ich schau mir viele Videos an, die Fototechniken, Bildbearbeitung etc. erklären. Die Arbeiten von anderen Kollegen zu sehen, hilft meiner Meinung nach auch, sich weiterentwickeln zu wollen, auf bestimmte Details zu achten. Es ist immer von Vorteil, sich Wissen anzueignen, egal mit welchen Mitteln, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Vor allem von Menschen zu lernen, die Erfahrung haben ist heutzutage sehr einfach.

Welche Kamera und welche zusätzliche Ausrüstung benutzt du die meiste Zeit?

Ich benutze hauptsächlich meine Nikon D750 mit dem 70-200 oder 24-70 Objektiv. Ab und zu benutze ich auch ein 15-30 Objektiv.

Wie bereitest du dich auf eine Veranstaltung oder die einzelnen Künstler vor, wenn es um Konzertfotografie geht?

Wenn es sich um Bands handelt, die ich nicht kenne oder die ich noch nie live gesehen habe, schaue ich mir in der Regel zunächst Videos an, wie sich die Band auf der Bühne verhält, wie das Licht auf der Bühne ist usw., ansonsten treffe ich keine besondere Vorbereitung.

Welche Künstler oder Bands hörst du privat am liebsten?

Ich höre am liebsten Heavy Metal, aber auch eine Menge Musik außerhalb des Metals, ich höre sehr gerne Filmmusik des großen Altmeisters Hans Zimmer, außerdem mag ich Dead Can Dance, besonders Lisa Gerrard und den großartigen Pianisten Ludovico Einaudi höre ich fast jeden Tag.

Was war denn für dich der aufregendste oder schönste Moment während einer Fotosession in Verbindung mit einem Konzert?

Der lustigste Moment war für mich mit Marco Mendoza (Ex-Bassist von The Dead Daisies, der reformierten Formation von Thin Lizzy und dem Spin-off von Black Lider) bei einem Auftritt in einem kleinen Club hier in Lissabon; als er mich mit meiner Kamera sah, unterbrach er das Musizieren, um mir einen Kuss auf die Hand zu geben.

Welche Fotografie-Tipps kannst du aus deiner Erfahrung heraus geben, um den perfekten Moment einzufangen?

Das Wissen, wie sich die Band auf der Bühne verhält, welcher Künstler sich am meisten bewegt, wie er posiert. Dann gilt es zu versuchen, einen tollen Moment einzufangen. Das gelingt manchmal, vielleicht auch nicht.

Welche Einstellung an deiner Kamera benutzt du am häufigsten?

Ich beginne normalerweise mit einer Blendeneinstellung von 3,2 und einer ISO-Empfindlichkeit von 200. Die Automatik benutze ich meist zwischen 800 und 1000 oder 1600, je nach Licht der Show. Allerdings ändert sich das alles immer wieder, während ich fotografiere. Es gibt keine feste Grundeinstellung. Es variiert sehr stark, abhängig von der Position der Band auf der Bühne, den Lichtbedingungen, etc.

Wie viel Zeit und Aufwand investierst du in die Nachbearbeitung deiner Bilder?

Ich verwende Adobe Lightroom… der Zeitaufwand ist sehr unterschiedlich… Es gibt Fotos, bei denen ich weiß, was ich mit ihnen machen muss, da sind es schon mal locker 10 min und es ist fertig, aber es gibt auch andere, die viel länger brauchen, um an den Punkt zu kommen, an dem ich denke, dass er mit ihnen idealisiert war.

Tarja concert photo by Joana Marcal Carrico
Tarja concert photo by Joana Marcal Carrico

Wie wichtig ist die Selbstvermarktung für dich und welche Möglichkeiten oder Plattformen nutzt du, um deine Fotos mit anderen Usern zu teilen?

Ich nutze die gängigen sozialen Medien, um meine Arbeiten zu veröffentlichen, Instagram und Facebook. Nachdem mein erstes Fotobuch “Lumina” herauskam, wurde auch das zu einem wichtigen Instrument der Selbstvermarktung. Auch heute, ein Jahr später, funktioniert es immer noch.

Welche Fotos sind deine absoluten Lieblingsmotive?

Wenn wir von Fotografen sprechen, war anfangs Ross Halfin sehr wichtig, alle Fotografen meiner Generation bewunderten seine Arbeit. Heutzutage habe ich einen großen Favoriten, das ist der Fotograf Bjorn Olsson.

Joana Marçal Carriço wurde von Marcus Liprecht im Juni 2021 interviewt

*** english version below ***

Interview with the Concert Photographer Joana Marçal Carriço

“Lumina” is the first photo book published by Portuguese photographer Joana Marçal Carriço. Joana has a remarkable eye for detail in her live shots of the most popular heavy metal bands – from the smallest stage to the biggest venues. We talked to concert photographer Joana about her work in gig shooting.

Please introduce yourself to our readers who might not know you yet – who are you, since when do you photograph and how did you get into photography?

Hi, I’m Joana Marçal Carriço, born in Lisbon, Portugal. My passion for photography has been around since I was a kid. I’ve always liked photographing people, taking portraits, and trying to capture expressions. I remember walking around with analog cameras and excitedly going to develop the photos at the store. In the world of concert photography, I started around 2011, through an Online Radio, here in Lisbon, called SFTD Radio, composed of a group of friends who dedicate themselves in their spare time to promoting and publicizing events.

What are the subjects and motifs that fascinate you and what was perhaps the most unusual assignment you have ever accepted or implemented?

Concert photography, without a doubt!!! Especially within Heavy Metal, trying to capture the energy of the audience and the band. Concerts are always “more aggressive”, there is a lot of movement and I think that’s what you want to bring to an image. I don’t have any other work done except some promotional photos of bands, concerts and photographing my cats 🙂

Slayer concert photo by Joana Marcal Carrico
Slayer concert photo by Joana Marcal Carrico

How long did it take you to find your personal style and technique?

I think that even today I’m trying to find my personal style and technique. The fact that we always want to evolve in the work presented means that the style that was two years ago is not the style I maintain now. Learnings change, and things evolve very quickly these days. I can’t say that I have a very defined style, but I can say that making portraits, since the beginning of my photography activity until now, remains without a doubt one of my preferences and great fascination.

Did magazines, books or tutorials from other photographers help you?

They still help today… I tend to watch many videos that explain photography techniques, image editing, etc. Seeing work from other colleagues also helps, in my view, to want to evolve, pay attention to certain details. Acquiring knowledge whatever the means is always beneficial to learn and evolve. Especially to learn from those who know and this is very easy nowadays.

Which camera and additional equipment are you using most of the time?

I use the Nikon D750 a lot and the lenses I use the most are the 70-200 and the 24-70. Sometimes I also use the 15-30.

How do you prepare for a show or the individual artists?

When they are bands that I don’t know or that I’ve never seen live, I usually go to see videos of how they behave on stage, lights, etc., besides, I don’t do any kind of preparation.

Which artists or bands do you prefer to listen to in your private life?

Heavy Metal is always present, but I also like to hear a lot of stuff outside of metal, I really like listening to soundtracks by the great master Hans Zimmer, I like Dead Can Dance, especially Lisa Gerrard and there’s something I listen to almost every day. great pianist Ludovico Einaudi.

What was the most exciting or beautiful moment for you during a photo session in connection with a concert?

For me the funniest moment I had was with Marco Mendoza (ex-bassist of The Dead Daisies, the reformed formation of Thin Lizzy and the spin-off of Black Lider) in a performance in a small club here in Lisbon; when he saw me with my camera, he stopped playing to give me a kiss on the hand.

What photography tips can you give based on your experience to capture the perfect moment?

Knowing how the band behaves on stage, which artist moves the most, poses. Then it’s trying to capture a great moment. Sometimes it is possible, sometimes not.

Which setting of your camera do you use most often?

I usually start with an aperture of 3.2 and speed at 200 ISO. I usually use automatic between 800 and 1000 or 1600 depending on the light of the show. However, all this changes over time when I’m shooting. It’s not exactly a fixed setting. It varies a lot depending on the posture of the band on stage, the lights, etc.

How much time and effort are you spending on post-processing your images?

I use Adobe Lightroom… the time spent is variable… There are photos that I know what to do with them, so it’s even quick 10 min and it’s ready, but there are others that take much longer to get to the point where I think it was that he had idealized with them.

Moonspell concert photo by Joana Marcal Carrico
Moonspell concert photo by Joana Marcal Carrico

How important is self-marketing for you and which possibilities or platforms do you use to share your photos with other users?

I use normal social media to post my work, Instagram and Facebook, it basically goes around that. When my first photobook “Lumina” came out, that also became an important self-marketing tool as well. To this day, one year later it still does.

Which photos are your absolute favorite motifs?

If you are talking about photographers, initially Ross Halfin was very important; all photographers of my generation admired his work. Nowadays I have a big favorite which is photographer Bjorn Olsson.

Joana Marçal Carriço was interviewed by Marcus Liprecht in June 2021

Facebook: facebook.com/joana.carrico

Instagram: instagram.com/joana_m_carrico/

Rotting Christ - concert photo by Joana Marcal Carrico
Rotting Christ – concert photo by Joana Marcal Carrico
Voe Heavy Rock Festival - concert photo by Joana Marcal Carrico
Voe Heavy Rock Festival – concert photo by Joana Marcal Carrico